Krieg und Frieden
Ich bin durch die Miniserie »Krieg und Frieden« (BBC, 2016) angefixt worden das Buch von Tolstoi zu lesen. Hey, Weltliteratur!
»Mann, bin ich belesen, ey!«
[aus »TV-Glotzer«, Nina Hagen, 1979]
Der Roman beschreibt die Zeit während der napoleonischen Kriege von 1805 bis 1812 aus russischer Sicht. Er gilt als einer der ersten modernen Romane, in dem gesellschaftliche und familiäre Erzählstrangs im Stadt- und Landleben, geschichtliche und philosophische Betrachtungen miteinander verwoben sind.

Ich habe die Übersetzung von Hermann Röhl gelesen. In dem Ebook gibt es nur wenige Fehler und es ist in moderner Rechtschreibung verfasst, so das es sich flüssig lesen lässt. Die Sprache ist allerdings die des 19. Jahrhunderts. Ich brauchte mehrere Kapitel bis ich mich an die zunächst langweiligen, umständlichen Formulierungen und an die Bandwurmsätze gewöhnt hatte. Hier mal ein Beispiel:
»Pierre wurde in dem neuen Salon empfangen, in dem man sich nirgends hinsetzen konnte, ohne die Symmetrie, Sauberkeit und Ordnung zu stören, und daher war es sehr begreiflich und keineswegs sonderbar, dass Berg sich zwar in großmütiger Weise bereit erklärte, die Symmetrie der Lehnstühle oder des Sofas um des teuren Gastes willen zu verderben, aber doch, da er selbst in dieser Hinsicht sich augenscheinlich in einer peinlichen Unentschlossenheit befand, die Entscheidung dieser Frage dem Belieben des Gastes anheimstellte.«
[Krieg und Frieden, Seite 960]
Verwirrend sind auch die vielen Personen, die mit unterschiedlichen Namen angesprochen werden. Mal mit dem Familiennamen, mal nur mit dem Titel oder dem Vornamen, bzw. dem Rufnamen. Dann werden die Nachnamen je nach männlicher oder weiblicher Person auch noch anders ausgesprochen, beispielsweise heißt die Schwester von Andréj Bolkónski Márja Bolkónskaja. Die Hauptcharackter sind:
Pierre Besuchow
Idealistischer Gefühlsmensch. Für mich der sympatischste Charakter in diesem Buch. Ich kenne solche Typen; herzensgute Menschen, aber kriegen keinen Fuß auf die Erde und haben den Kopf in den Wolken. Kommen ständig wie bekifft rüber. Erbt ein großes Vermögen und verheiratet sich unglücklich. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Am Ende hat er seinen Platz im Leben gefunden.
Andrej Bolkonski
Interlektueller Mensch. Tragischer Charakter. Gelangweilt und blasiert gegenüber gesellschaftlichen Pflichten. Nur gegenüber Pierre ist er ein guter Freund. Verliebt sich unglücklich in Natascha und wird lebensmüde.
Nikolai Rostow
Patriotischer junger Offizier. Für mich ein langweiliger Charakter.
Natascha Rostowa
Naives Mädchen mit viel Lebenshunger. Für mich ein eher langweiliger Charakter.
In der oben erwähnten Miniserie von der BBC wird der Krieg verhälnismäßig kurz, aber in dramatischen Szenen abgehandelt, während er im Buch viel mehr Raum ein nimmt. Teils wird der Alltag im Regiment beschrieben, Angriffe, Schlachten und teilweise langwierige militärstrategische Darstellungen und Theorien aus der Sicht Tolstois (das Buch wurde etwa 50 Jahre nach den napoleonischen Kriegen geschrieben). Tolstois Beschreibung der Schlachten von Austerlitz, Schönbrunn und Borodino werden große Darstellungstreue nachgesagt.
Tags: prosa